Omega-6: Freund oder Feind?

Omega-6-reiche Lebensmittel
3,1 Minuten LesezeitVeröffentlicht am: 9. Oktober 2025Von Kategorien: Ernährung

„Omega-6-Fettsäuren fördern Entzündungen" – diese Aussage haben Sie sicher schon einmal gehört. Doch was genau steckt dahinter und ist der schlechte Ruf von Omega-6 wirklich gerechtfertigt? 

Was sind Omega 6 Fettsäuren? 

Der Begriff „Omega-6" beschreibt eine ganze Gruppe von Fettsäuren, die chemisch daran erkennbar sind, dass ihre erste Doppelbindung am sechsten Kohlenstoffatom vom Ende des Fettmoleküls liegt. In Lebensmitteln kommen vor allem die Linolsäure und Arachidonsäure vor. Insbesondere die Linolsäure dient als Ausgangsstoff für andere Omega-6-Fettsäuren, die mithilfe spezieller Enzyme im Körper gebildet werden. 

Omega-6-Fettsäuren sind für unsere Gesundheit unverzichtbar. Sie unterstützen den Aufbau von Zellmembranen, sichern die Funktionsfähigkeit jeder Zelle, dienen als Bausteine hormonähnlicher Botenstoffe, fördern die Herz- und Gefäßgesundheit sowie die Haut- und Augengesundheit und liefern Energie. Ohne Omega-6-Fettsäuren kann der Körper viele lebenswichtige Prozesse nicht aufrechterhalten. 

Was ist das Problem? 

In westlichen Ländern wie Deutschland und Österreich dominiert die sogenannte westliche Ernährung, welche durch übermäßigen Zuckerkonsum, gesättigte Fette und ein Übermaß an Omega-6-Fettsäuren geprägt ist. Verantwortlich dafür ist vor allem die hohe Aufnahme von Omega-6-reichen Lebensmitteln wie Sonnenblumen-, Distel-, Maiskeim- und Sojaöl, Fertigprodukten, Margarine, Chips, Snacks, Fleisch und Wurstwaren. Hinzu kommt, dass durch die moderne, industriell geprägte Tier- und Pflanzenzüchtung viele Lebensmittel weniger Omega-3-Fettsäuren enthalten, wodurch das Ungleichgewicht zwischen Omega-6 und Omega-3 weiter zunimmt. 

Empfohlen wird ein Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 von 1:1 bis 1:5. In der Realität liegt es jedoch häufig bei 1:10 bis 1:20. Ein dauerhaftes Ungleichgewicht kann entzündungsfördernde Prozesse begünstigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und chronische Entzündungen erhöhen. 

Damit Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren ihre Aufgaben im Körper erfüllen können, müssen sie zunächst in aktive Formen umgewandelt werden. Die Ausgangsstoffe dafür sind Linolsäure (Omega-6) und α-Linolensäure (Omega-3). Diese werden in der Leber von Enzymen chemisch verändert und umgebaut, wodurch verschiedene Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren entstehen. Bei Omega-6 entsteht dabei Arachidonsäure, die als Ausgangsstoff für Botenstoffe (z.B. Eicosanoide) dient, welche entzündungsfördernde Prozesse steuern können. Wichtig: der Körper braucht Entzündungen, um das Immunsystem zu aktivieren, Eindringlinge abwehren zu können und die Wundheilung zu starten. Chronische Entzündungen dagegen sind schädlich. Bei Omega-3 entstehen auf demselben Weg EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Diese Stoffe wirken entzündungshemmend.  

Da beide Fettsäuregruppen die gleichen Enzyme nutzen, entsteht ein Wettbewerb um die Umwandlungskapazität. Bei einer hohen Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren werden die Enzyme stark beansprucht, was die Umwandlung von Omega-3 deutlich bremst. Dieser Effekt wird als Enzymkonkurrenz oder umgangssprachlich als „Enzymkrise" bezeichnet. 

Fazit:  

Omega-6-Fettsäuren sind lebenswichtige Nährstoffe, die für unsere Gesundheit unverzichtbar sind. In Industrieländern mit westlicher Ernährung wird jedoch in der Regel zu viel davon aufgenommen. Das kann die Herstellung von Omega-3 Fettsäuren im Körper hemmen, entzündungsfördernde Prozesse begünstigen und das Risiko für diverse Erkrankungen erhöhen. Entscheidend ist daher das richtige Verhältnis zwischen der Aufnahme von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Erfahren Sie hier, wie Sie Omega-6 gezielt für Ihre Gesundheit nutzen und gleichzeitig das Verhältnis zwischen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren verbessern können. 

Quellen: 

  • Djuricic, I., & Calder, P. C. (2021b). Beneficial Outcomes of Omega-6 and Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acids on Human Health: An Update for 2021. Nutrients, 13(7), 2421. https://doi.org/10.3390/nu13072421 
  • Volker Schmiedel. (2022). Nährstofftherapie—Orthomolekulare Medizin in Prävention, Diagnostik und Therapie (5.). Georg Thieme Verlag KG. 
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