Kurzbeschreibung

Das Vitamin B9 hat mehrere Namen, meist wird es Folsäure genannt, ist aber auch unter Folat, B11 oder Vitamin M geführt. Es handelt sich um ein Zellvitamin, da es an der Bildung von DNS beteiligt ist. B9-Vitamine sind wasserlöslich und nicht speicherbar; sie müssen also regelmäßig zugeführt werden. Hilfreich kann hierbei eine gesunde Darmflora sein, die alle B-Vitamine durch in ihr vorkommende Bakterien herstellen kann. Ein B9-Mangel kommt bei ca 15% der Bevölkerung weltweit vor, besonders ältere und Schwangere sind betroffen (7).

Da Vitamine häufig synergetisch wirken, werden sie oft in Komplexen angeboten (was auch sinnvoll ist), sind aber auch einzeln verfügbar. Sie steuern die Hirnfunktion und dienen dem Fettstoffwechsel.

Physiologische Wirkungen im Überblick

  • Teilung und Neubildung von Blutzellen insbesondere im Knochenmark
  • Aubau der der Erbsbstanz (DNA)
  • Wachstums- und Entwicklungsprozesse
  • Entwicklung des Neuralrohres von Embryonen (verhindert offenen Rücken)
  • Verstoffwechselung von Homocystein

Kofaktoren

  • Eisen
  • Kupfer
  • Vitamin B3 und B12 fördern die Aufnahme von Vitamin B9.
  • Vitamin B12 und B6 sorgen mit B9 gemeinsam für den Abbau von Homozystein
  • Genügend Vitamin C schont die Vitamin B9-Speicher.

Vorkommen

  • Grünes Blattgemüse wie Spinat und Salate
  • Tomaten
  • Kohl
  • Hülsenfrüchte
  • Vollkornprodukte
  • Leber
  • Eier

Anwendungsempfehlungen und Dosierung nach aktuellem Stand der Wissenschaft

In Deutschland haben ca 60% der Bevölkerung einen B9 Mangel [1].

Schwangerschaft: Für einen sicheren Schwangerschaftsverlauf wird B9 substituiert. Folsäuremangel führt zu schweren Missbildungen (bei Mangel in der Frühschwangerschaft zu Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oder sogar zu “offenem Rücken”; Spina bifida [2]).

DGE

Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (Die DGE unterscheidet zwischen Kindern, Männern, Frauen, Schwangeren, Stillenden  – bitte im Einzelfall prüfen)

0,3 mg/Tag

NährstoffAllianz

Dosierungsempfehlung der NährstoffAllianz

0,4 mg/Tag

Gegenanzeigen

Megagloblastische Anämie aufgrund eines B12-Mangels

Risikogruppen und Mangelfaktoren

Risikogruppen

  • Schwangere
  • Alkoholiker

Mangelfaktoren

  • Acetylsalicylsäure(ASS) senkt den Vitamin B9 -und B12-Spiegel. (6)
  • Kontrazeptiva (hormonelle Verhütungsmittel) stören die Folsäure-Verwertung. (6)
  • Metformin reduziert die Spiegel der Vitamine B1, B12 und Folsäure (B9). (6)
  • Morbus Crohn

Therapeutische & präventive Einsatzgebiete

  • Anämie
  • psychische und neurologische Erkrankungen
  • Entzündungen im Mund und Verdauungssystem
  • Durchfall und Gewichtsverlust
  • gestörtes Wachstum des Fötus insbesondere im Zentralnervensystem
  • Störungen im Zentralnervensystem
  • reduzierte Aufnahme von Nährstoffen

Krankheitsspezifische Wirkungen anhand von Untersuchungen

Folat spielt als wasserlösliches Vitamin eine wichtige Rolle für alle Wachstumsprozesse, die im menschlichen Körper ablaufen, vor allem für die Zellteilung und Vervielfältigung des Erbguts. Das Vitamin wird zudem für den Aminosäurestoffwechsel (Aminosäuren = Bausteine der Eiweiße) benötigt. In Bezug auf die Vorbeugung von Missbildungen in der Schwangerschaft kann die Kombination mit Vitamin B12 infrage kommen. Erste Studien deuten auf eine gegenseitige Verstärkung der Effekte hin (9).

Studien und Quellen

Studien:

[1] Weißenborn A., Burger, M., Mensink G.B.M., Klemm, C., Sichert-Hellert, W., Kersting, M. & Przyrembel, H. Folsäureversorgung der deutschen Bevölkerung. Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben, 2005. BfRWissenschaft 01/2005. Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin. Abgerufen am 05. Februar 2021 von https://www.bfr.bund.de/cm/350/Folsaeurevorsorge_der_deutschen_Bevoelkerung.pdf

[2] Imbard A, Benoist JF, Blom HJ. Neural tube defects, folic acid and methylation. Int J Environ Res Public Health. 2013 Sep 17;10(9):4352-89. doi: 10.3390/ijerph10094352. PMID: 24048206; PMCID: PMC3799525. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24048206/

Allgemeine Quellen:

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Abgerufen am 2. Februar 2021, von https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/
  2. Schmiedel, V., Spitz, J., Edalatpour, A., Schulz-Ruhtenberg, N., Gröber, U., Feldhaus, S., Schomburg, L., Schurgast, H. & Barz, S. (2020, Februar). Online-Kongress „Mikronährstoffe und Orthomolekularmedizin“ [Online-Kongress]. Akademie für menschliche Medizin.
  3. Deutschlands Kranke Kinder. Basiswissen Nährstoffe. Abgerufen am 2. Februar 2021, von https://deutschlandskrankekinder.de/basiswissen-naehrstoffe/
  4. FDDB Lebensmittel Datenbank. Abgerufen am 2. Februar 2021, von https://fddb.info/
  5. Gröber, U. (2002). Orthomolekulare Medizin (3. Aufl.). Beltz Verlag.
  6. Schmiedel, V. (2019). Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente: Ernährung, Diagnostik und Nährstofftherapie (3. Aufl.). Georg Thieme Verlag.
  7. LifeStyle & MS. B-Vitamine. Abgerufen am 2. Februar 2021, von https://lsms.info/index.php?id=24&L=602

Photo by FOODISM360 on Unsplash