Kurzbeschreibung

Eisen ist mit 4-5g das häufigste essenzielle Spurenelement im Körper. Als elementarer Baustein des Hämoglobins sorgt es für den Sauerstofftransport und die Sauerstoffübertragung im Blut. Ohne Eisen wäre kein Sauerstofftransport im Körper möglich. Auch wird es für die Funktion der Atmungskette in den Mitochondrien gebraucht. In kleinen Mengen ist Eisen lebenswichtig und antioxidativ, während es in großen Mengen organschädigend und prooxidativ ist.

Physiologische Wirkungen im Überblick

Eisen übernimmt hauptsächlich den Sauerstofftransport vom Herzen zu den Organen. Außerdem unterstützt es die Produktion von Hormonen und Neurotransmittern sowie die Entgiftungsprozesse der Enzyme zur Beseitigung freier Radikale.

Kofaktoren

Vitamin C: eine gleichzeitige Einnahme von Vitamin C verbessert die Resorption und Verträglichkeit von Eisen und stabilisiert das oxidationsempfindliche Eisen. 

Vorkommen

Eisenreiche Lebensmittel sind vor allem

  • Schweineleber
  • Linsen
  • Miesmuscheln
  • Spinat
  • Roastbeef
  • rotes Fleisch. 

Gemüse weist zwar teilweise eine höhere Nährstoffdichte an Eisen auf, hat jedoch den Nachteil, dass das darin befindliche Eisen oft nur zu 5% verwertet werden kann. Grund dafür ist die Bildung von schwerlöslichen Komplexen von Eisen mit Phosphaten, Phytaten und Oxalsäure. Trotzdem kann auch durch pflanzliche Kost eine gute Eisen-Versorgung erreicht werden. 

Fisch, Eiweiß und Vitamin C verbessern außerdem zusätzlich die Eisenaufnahme des Körpers.

Anwendungsempfehlung und Dosierung

Männer sollten täglich 10mg, Frauen 15mg Eisen zu sich nehmen. Schwangere sollten 30mg, Stillende 20mg Eisen zu sich nehmen.

Eisenpräparate sollten möglichst 1 -1,5h vor einer Mahlzeit eingenommen werden. Bei Magen-Darm-Beschwerden kann es auch nach den Mahlzeiten eingenommen werden. Vitamin C erhöht zusätzlich die Aufnahme des Eisens im Körper.

Die Aufnahme des Eisens wird unter anderem durch Kaffee, Tee und Milch verschlechtert.

Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verstopfung, Durchfall sind bei Eiseneinnahme relativ häufig. In Verbindung mit Vitamin C kann die Verträglichkeit verbessert werden.

Tipp: Curry-Blatteisen weist eine besonders hohe Bioverfügbarkeit und hohe Verträglichkeit auf.

Therapeutische & präventive Einsatzgebiete

Eisenmangel führt zur Verschlechterung der Sauerstoffversorgung der Gewebe und führt zu:

  •  Erschöpfung 
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Störung des Haar- und Nagelwachstums
  • Atemnot bei körperlicher Anstrengung

Mangelfaktoren und Risikogruppen

Vegetarier sollten auf eine gute Eisenzufuhr in deutlichem Zeitabstand zu den Mahlzeiten achten. Nur 5% des Eisens in pflanzlicher Kost kann verwertet werden entgegen den 30% in tierischen Lebensmitteln.

Auch Blutverlust durch die Menstruation, Blutspende und Verletzungen können einen Eisenmangel auslösen.

Sportler brauchen Eisen für die Sauerstoffspeicherung in den Muskeln und sollten auf eine gesunde Eisenzufuhr achten. Vor allem Läufer verlieren Eisen über den Urin, Schweiß und Stuhl. Sportlerinnen verlieren viel Eisen während der Menstruationsblutung und haben deshalb einen erhöhten Eisenbedarf.

Durch den hohen Eisenverbrauch in der Schwangerschaft hat die Frau einen doppelt so hohen Eisenbedarf als davor. Vor allem gegen Ende der Schwangerschaft ist der Eisenbedarf sehr hoch und kann bei ausgeprägtem Mangel zu Störungen der geistigen und körperlichen Entwicklung des Kindes führen.

Nebenwirkungen

Über die orale Zufuhr können Nebenwirkungen auftreten, wie z.B.:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • eine harmlose Dunkelfärbung des Stuhls

Über die Injektion können Nebenwirkungen auftreten, wie z.B.:

  • anaphylaktische Reaktionen
  • Nesselsucht
  • Muskelschmerzen

Eisen kann die Bildung von freien Radikalen begünstigen. Auch kann eine hohe Eisenzufuhr mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs in Verbindung gebracht werden.

Studien

Auswirkungen einer Eisensupplementierung auf die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung bei Kindern (2008):

Eisenmangel stand im Verdacht, eine Mitursache der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu sein. Um dies zu untersuchen wurden 23 nicht anämische Kinder zwischen fünf und acht Jahren mit ADHS entweder mit einem Eisenpräparat oder einem Placebo über 12 Wochen behandelt. Es stellte sich nach 12 Wochen heraus, dass die Eisengruppe im Vergleich zur Placebogruppe eine erhebliche Abnahme der ADHS Ratingskala erlangte. Eine Eisensupplementierung (80mg/ Tag) kann die ADHS Symptome bei Kindern verbessern. Es sind jedoch noch weitere, größer angelegte Studien und Untersuchungen notwendig, um sichere Aussagen treffen zu können. [1]

Kinder mit Autismus: Wirkung einer Eisensupplementierung auf Schlaf und Ferritin (2007):

Um festzustellen, ob es einen Zusammenhang zwischen niedrigem Serumferritin und Schlafstörungen bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung gibt, wurde eine 8-wöchige offene Behandlungsstudie mit Eisensupplementierung durchgeführt. Zunächst füllten die Eltern eine Skala für Schlafstörungen der Kinder und deren Ernährung aus, danach wurden Blutproben entnommen. Von den 33 Kindern hatte nach Angaben de Eltern 77% Schlafstörungen. Durch die Eisenzufuhr verbesserte sich der Schlaf der Kinder erheblich. Anzumerken ist, dass 69% der Vorschulkinder und 35% der Schulkinder zuvor zu wenig Eisen über die Nahrung aufgenommen hatten. [2]

Quellenangaben und Literaturverweise

[1] Konofal, E., Lecendreux, M. & Deron, J. (2008, 1. Januar). Effects of Iron Supplementation on Attention Deficit Hyperactivity Disorder in Children. Pediatric Neurology, 38(1), pp.1-72, e1-e6. DOI: 10.1016/j.pediatrneurol.2007.08.014

[2] Dosmann, C. F., Brian, J. A. & Drmic, I. E. et al. (2007, 1. März). Children With Autism: Effect of Iron Supplementation on Sleep and Ferritin. Pediatric Neurology, 36(3), pp.151-156. DOI: 10.1016/j.pediatrneurol.2006.11.004

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Referenzwerte für Eisen. Abgerufen am 05.05.2021, von https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/eisen/

Literatur:

Gröber, U. (2010). Mikronährstoffe für die Kitteltasche: Metabolic Tuning – Prävention – Therapie (3. Aufl.). Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.

Schmiedel, V. (2019). Nährstofftherapie: Orthomolekulare Medizin in Prävention, Diagnostik und Therapie (4. Aufl.). Thieme Georg Verlag.

Gröber, U. (2018). Mikronährstoff-Beratung: Ein Arbeitsbuch (1. Aufl.). Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.

Photo by Charlie Solorzano on Unsplash