Kurzbeschreibung

K2 wird auch als Menachinon bezeichnet, ist fettlöslich und wird aufgrund seiner Fähigkeit Kalzium von den Gefäßen in den Knochen zu transportieren berechtigterweise als wichtiger Cofaktor von Vitamin D gehandelt. Die Funktionen von Vitamin D und Vitamin K2 überschneiden sich dabei teilweise (siehe Schaubild unten). Man muss davon ausgehen, dass ein Vitamin-K2-Mangel deutlich weiter verbreitet ist als ein Vitamin-K1-Mangel. Letzterer kann über den Verzehr von grünem Blattgemüse gedeckt werden, während Vitamin K2 hauptsächlich in tierischen oder fermentierten Produkten vorkommt. Über eine intakte Darmflora kann Vitamin K2 jedoch zum Teil auch im Darm produziert werden [3].

Physiologische Wirkungen im Überblick

Vitamin K2 ist für die Aktivierung von Osteocalcin und MGP (Matrix-GLA Protein) wichtig, welche das Kalzium zu den Knochen transportieren und dort einlagert, wo Bedarf besteht. Dabei arbeitet das Vitamin K2 synergetisch mit dem Vitamin D zusammen, das die Bildung von Osteocalcin und MGP fördert. Gleichzeitig werden Verkalkungen von Blutgefäßen und anderen Geweben verhindert bzw. aufgelöst wie im folgenden Schaubild dargestellt.

Physiologische Wirkungen im Überblick

  • Schützt durch die Aktivierung von Osteocalcin und MGP vor Kalkablagerungen in Gefäßen (Arteriosklerose), wie 2007 in einer Studie mit Ratten nachgewiesen wurde [7], und somit auch vor Krampfadern
  • Hemmt Kalkablagerungen in Weichteilgeweben
  • Reduziert Sterblichkeit durch Herz-Kreislauferkrankungen [8] [9]
  • Verbessert die Insulinproduktion und -aufnahme
  • Schützt das Gehirn vor freien Radikalen
  • Hilft bei Alzheimertherapie und dessen Vorbeugung
  • Schützt Gelenke und beugt Arthritis vor
  • Schützt die Haut vor Elastizitätsverlust
  • Schützt vor Karies
  • Kann bei Kindern Wachstumsbeschwerden und Zahnfehlstellungen verhindern
  • Wirkt bei der Krebsprävention [10]

Kofaktoren

  • Vitamin D (Kalzium- und Knochenstoffwechsel)
  • Nahrungsfette erhöhen die Vitamin-K-Aufnahme im Dünndarm

Vorkommen

Eier, Fleisch, manche Käsesorten und Butter von Weidegras-Tieren, rohes Sauerkraut. 

Besonders viel Vitamin K2 ist in Natto enthalten (fermentiertes Sojabohnen-Gericht aus Japan).

Anwendungsempfehlungen und Dosierung nach aktuellem Stand der Wissenschaft

DGE

Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die DGE unterscheidet zwischen Kindern, Männern, Frauen, Schwangeren, Stillenden  – bitte im Einzelfall prüfen.

60-80 µg / Tag (K1+K2)

NährstoffAllianz

Dosierungsempfehlung der NährstoffAllianz

90-300 µg / Tag

Bioverfügbarkeit von Vitamin K2 in Nahrungsergänzungsmitteln:

In Nahrungsergänzungsmitteln wird vielfach das Vitamin K2 MK4 verwendet. Dieses hat eine schlechte Bioverfügbarkeit und muss in hohen Dosen (1000 µg/Tag) eingenommen werden, um eine gute Versorgung zu gewährleisten. Eine wesentlich bessere Bioverfügbarkeit hat das Vitamin K2 MK7 [1].

Hier gibt es 2 Formen, das MK7 als trans-Isomere und das MK7 als cis-Isomere. Nur die trans-Form kann geometrisch an die vorgesehenen Enzyme andocken und ihre Wirkung entfalten, was die cis-Isomere nicht können und somit wirkungslos bleiben. Bei der Wahl eines Nahrungsergänzungsmittels sollte somit das Vitamin K2 MK7-all-trans gewählt werden, das teurer aber wesentlich wirkungsvoller ist [11].

Gegenanzeigen

  • Antikoagulantien mit Kumarinderivaten (Blutverdünnungsmittel): Personen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten eine Nahrungsergänzung mit Vitamin K2 vorher mit dem behandelnden Arzt abklären, da Vitamin K2 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln die Wirkung der Gerinnungshemmer beeinflussen könnte.

Risikogruppen und Mangelfaktoren

Risikogruppen

  • eventuell vegane Ernährung  
  • Alkoholiker
  • Menschen mit Übergewicht bzw. Adipositas

Mangelfaktoren

  • unzureichende Zufuhr von Vitamin K über die Ernährung
  • chronische Lebererkrankungen 
  • zystische Fibrose
  • chronische Magen-Darm-Erkrankungen
  • Darmresektionen
  • Adipositaschirugie (Magenbypass-Operationen)
  • Medikamenteneinnahme (z.B. Antibiotika)
  • Fettverdauungsstörungen

Therapeutische & präventive Einsatzgebiete

  • poröse Knochen und Zähne
  • Wachstumsstörung
  • Kalkablagerungen in Weichteilgewebe und Gefäße

Irreführende und falsche Aussagen

„Vitamin K2 löst Brustkrebs aus“ Dieses Gerücht wird aufgrund einer fehlerhaften und falsch interpretierten Studie verbreitet. Dr. Raimund von Helden hat die besagte WANG-Studie unter die Lupe genommen und deckt in seinem Artikel die zahlreichen Unzulänglichkeiten im Studiendesign auf, klicken hier um den ganz Artikel zu lesen.

Krankheitsspezifische Wirkungen anhand von Untersuchungen

Knochenmineraldichte: 180 µg Vitamin K2 täglich führt zu signifikant höherer Knochenmineraldichte. Dies zeigte sich bei einer placebokontrollierten Doppelblindstudie im Jahre 2010, die mit Patienten mit Lungen- oder Herztransplantation durchgeführt wurde [5].

Osteoporose:  Ein ausreichender Vitamin K2-Spiegel trägt zur Prävention der altersbedingten menopausalen Osteoporose bei und verringert das Risiko osteoporotischer Knochenbrüche aufgrund von Osteoporose [4] [6].

Hüftfrakturen: In einer 2011 veröffentlichten japanischen Studie mit Hüftfrakturpatienten war der durchschnittliche Vitamin K- und Vitamin D-Spiegel wesentlich niedriger als in einer gesunden Kontrollgruppe. 90% der untersuchten Patienten wiesen darüber hinaus einen Vitamin D-Mangel auf [2].

Knochenarchitektur und Kollagenbildung: Vitamin K2 wirkt auf die Mikroarchitektur der Knochen, genauer gesagt auf die Kollagenbildung und die Kollagenorganisation [3].

Wechseljahre: Frauen nach den Wechseljahren sind, durch fehlendes Östrogen und der damit einhergehenden schlechteren Einlagerung von Kalzium in den Knochen, von Osteoporose betroffen und profitieren besonders von einer Vitamin K2-Zuführung [6].

Studien und Quellen

Studien:

[1] Sato, T., Schurgers, L. J., & Uenishi, K. (2012). Comparison of menaquinone-4 and menaquinone-7 bioavailability in healthy women. Nutrition journal11, 93. https://doi.org/10.1186/1475-2891-11-93.

[2] Nakano T., Tsugawa N, Kuwabara A, Kamao M, Tanaka K, Okano T. (2011). High prevalence of hypovitaminosis D and K in patients with hip fracture. Department of Health and Nutrition, Osaka Shoin Women’s University, 4-2-26 Hishiyanishi, Higashiosaka-shi, Osaka 577-8550 Japan

[3] Iwamoto, J., Sato, Y., Takeda, T., & Matsumoto, H. (2009). High-dose vitamin K supplementation reduces fracture incidence in postmenopausal women: A review of the literature. Nutrition Research, 29(4), 221-228. doi:10.1016/j.nutres.2009.03.012

[4] Yamaguchi, M. (2010). Vitamin K2 stimulates osteoblastogenesis and suppresses osteoclastogenesis by suppressing NF-κB activationInternational Journal of Molecular Medicine. doi:10.3892/ijmm.2010.562

[5] Forli, L., Bollerslev, J., Simonsen, S., Isaksen, G. A., Kvamsdal, K. E., Godang, K., . . . Bjortuft, O. (2010). Dietary Vitamin K2 Supplement Improves Bone Status After Lung and Heart TransplantationTransplantation, 89(4), 458-464. doi:10.1097/tp.0b013e3181c46b69

[6] Booth, S. L., Broe, K. E., Peterson, J. W., Cheng, D. M., Dawson-Hughes, B., Gundberg, C. M., . . . Kiel, D. P. (2004). Associations between Vitamin K Biochemical Measures and Bone Mineral Density in Men and WomenThe Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 89(10), 4904-4909. doi:10.1210/jc.2003-031673

[7] Schurgers, L. J., Spronk, H. M., Soute, B. A., Schiffers, P. M., Demey, J. G., & Vermeer, C. (2007). Regression of warfarin-induced medial elastocalcinosis by high intake of vitamin K in rats. Blood. doi:10.1182/blood-2006-07-035345

[8] Ueland, T., Gullestad, L., Dahl, C. P., Aukrust, P., Aakhus, S., Solberg, O. G., . . . Schurgers, L. J. (2010). Undercarboxylated matrix Gla protein is associated with indices of heart failure and mortality in symptomatic aortic stenosisJournal of Internal Medicine, 268(5), 483-492. doi:10.1111/j.1365-2796.2010.02264.x

[9] Geleijnse, J. M., Vermeer, C., Grobbee, D. E., Schurgers, L. J., Knapen, M. H., Meer, I. M., . . . Witteman, J. C. (2004). Dietary Intake of Menaquinone Is Associated with a Reduced Risk of Coronary Heart Disease: The Rotterdam Study. The Journal of Nutrition, 134(11), 3100-3105. doi:10.1093/jn/134.11.3100

[10] Nimptsch, K., Rohrmann, S., Kaaks, R., & Linseisen, J. (2010). Dietary vitamin K intake in relation to cancer incidence and mortality: Results from the Heidelberg cohort of the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Heidelberg). The American Journal of Clinical Nutrition, 91(5), 1348-1358. doi:10.3945/ajcn.2009.28691

[11] Lal, N., & Berenjian, A. (2020). Cis and trans isomers of the vitamin menaquinone-7: Which one is biologically significant? Applied Microbiology and Biotechnology, 104(7), 2765-2776. doi:10.1007/s00253-020-10409-1

Allgemeine Quellen:

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Abgerufen am 2. Februar 2021, von https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/
  2. Schmiedel, V., Spitz, J., Edalatpour, A., Schulz-Ruhtenberg, N., Gröber, U., Feldhaus, S., Schomburg, L., Schurgast, H. & Barz, S. (2020, Februar). Online-Kongress „Mikronährstoffe und Orthomolekularmedizin“ [Online-Kongress]. Akademie für menschliche Medizin.
  3. Deutschlands Kranke Kinder. Basiswissen Nährstoffe. Abgerufen am 2. Februar 2021, von https://deutschlandskrankekinder.de/basiswissen-naehrstoffe/
  4. FDDB Lebensmittel Datenbank. Abgerufen am 2. Februar 2021, von https://fddb.info/
  5. Gröber, U. (2002). Orthomolekulare Medizin (3. Aufl.). Beltz Verlag.
  6. Schmiedel, V. (2019). Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente: Ernährung, Diagnostik und Nährstofftherapie (3. Aufl.). Georg Thieme Verlag.
  7. LifeStyle & MS, 2016. Vitamin K (und Vitamin D). Abgerufen am 5. Februar 2021, von https://lsms.info/index.php?id=49&L=212
  8. Vitamin D-Co-Faktor: Vitamin K2. Abgerufen am 5. Februar 2021, von https://sonnenallianz.spitzen-praevention.com/sonne-und-gesundheit/vitamin-d/vitamin-k2/
  9. Cees Vermeer Vermeer(2012) Vitamin K: the effect on health beyond coagulation – an overview, Food & Nutrition Research, 56:1, DOI: 3402/fnr.v56i0.5329
  10. Kim, S., Kim, K., Kim, B., Joo, N., Kim, K., & Lee, D. (2010). Correlation of Undercarboxylated Osteocalcin (ucOC) Concentration and Bone Density with Age in Healthy Korean WomenJournal of Korean Medical Science,25(8), 1171. doi:10.3346/jkms.2010.25.8.117
  11. Fujita, Y., Iki, M., Tamaki, J., Kouda, K., Yura, A., Kadowaki, E., . . . Kurumatani, N. (2011). Association between vitamin K intake from fermented soybeans, natto, and bone mineral density in elderly Japanese men: The Fujiwara-kyo Osteoporosis Risk in Men (FORMEN) study. Osteoporosis International,23(2), 705-714. doi:10.1007/s00198-011-1594-1
  12. Theuwissen, E., Cranenburg, E. C., Knapen, M. H., Magdeleyns, E. J., Teunissen, K. J., Schurgers, L. J., . . . Vermeer, C. (2012). Low-dose menaquinone-7 supplementation improved extra-hepatic vitamin K status, but had no effect on thrombin generation in healthy subjects.British Journal of Nutrition, 108(09), 1652-1657. doi:10.1017/s0007114511007185