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Kurzbeschreibung
NAD+ ist ein Koenzym, dass in vielen enzymatischen Reaktionen im Körper ein unterstützendes Rollen spielen.
NAD+ hilft dem Körper dabei, aus Nahrung Energie zu gewinnen. Beim Abbau von Zucker, Fett oder Proteinen nimmt NAD+ Elektronen auf und wird zu NADH. Dieses NADH transportiert Elektronen in die Mitochondrien, wo sie genutzt werden, um ATP, also Energie, herzustellen. Das gebildete ATP wird anschließend für zahlreiche Vorgänge benötigt, etwa um Muskeln zu bewegen, zu denken, zu atmen, zu verdauen, die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten sowie Reparatur- und Erneuerungsprozesse in den Zellen durchzuführen.
Chemisch besteht NAD+ aus zwei Bausteinen – einem Adenosinmonophosphat (AMP) und einem Nicotinamidmononukleotid (NMN). Zusammen bilden sie ein Molekül, das man als Dinukleotid bezeichnet [13].
Physiologische Wirkungen im Überblick
NAD+ (Nikotinamid-Adenin-Dinukleotid) und sein Partner NADH sind unverzichtbar für die Energieproduktion. Zudem wirken sie als Coenzyme für bestimmte Proteine, die im Körper wichtige Signale an unsere Zellen senden (z.B. Sirtuine, PARPs, CD38 und SARM1).
- Energieproduktion: NAD+ spielt eine zentrale Rolle, wenn unser Körper Energie aus Zucker und Fett gewinnt. Es nimmt Elektronen auf und verwandelt sich in NADH. Dieses NADH gibt die Elektronen weiter, damit in unseren Zellen Energie hergestellt werden kann – die unser Körper für alle wichtigen Funktionen wie Bewegung, Denken oder Verdauung benötigen.
- PARPs für DNA-Reparatur und Zellschutz: PARPs nutzen NAD+, um Proteine zu verändern und so beschädigte DNA zu reparieren, Gene ein- oder auszuschalten und den Zelltod bei geschädigten Zellen zu signalisieren. Sie sind also wichtige Helfer für die Erhaltung unserer Zellgesundheit.
- Sirtuine für die Zellschutz: Sirtuine sind Enzyme, die NAD+ verwenden, um den Energiehaushalt, die Aktivität der Mitochondrien (unsere „Kraftwerke") und die Abwehr gegen oxidativen Stress zu regulieren. Sie unterstützen die Langlebigkeit und helfen den Zellen, gesund zu bleiben.
- CD38 für Immunabwehr: CD38 ist ein Enzym, das NAD+ abbaut und einen Botenstoff namens cADPR bildet. Dieser steuert den Kalziumspiegel in den Zellen, was wichtig ist, damit Zellen miteinander kommunizieren, Muskeln sich bewegen und das Herz richtig schlägt. Außerdem unterstützt CD38 das Immunsystem dabei, Infektionen zu erkennen und abzuwehren.
- SARM1 für den Schutz der Nervenfasern: SARM1 ist ein Enzym, das NAD+ abbaut und die Selbstzerstörung von geschädigten Nervenfasern einzuleiten. Dieser Mechanismus kann unter anderem neurodegenerativen Erkrankungen entgegenwirken [8,13].
Mangelerscheinungen
Bei einem NAD+ Mangel kann es sich um einen primären oder sekundären Mangel handeln:
Primäre Mängel
sind genetisch bedingt und entstehen durch Mutationen in Genen, die Enzyme für die NAD+ Synthese aus Tryptophan und Vitamin B3 produzieren. Diese führen zu einer beeinträchtigten Eigenproduktion von NAD+ und können schwere Erkrankungen mit unterschiedlichen Symptomen verursachen, je nachdem, welches Gen betroffen ist:
- Hartnup-Syndrom,
- Hautläsionen,
- Demenz,
- Hörstörungen,
- Herzprobleme,
- Nierenerkrankungen.
Solche Genmutationen sind jedoch äußerst selten.
Sekundäre Mängel
entstehen nicht durch genetische Defekte, sondern durch einen erhöhten NAD⁺-Verbrauch bei chronischen Infektionen, Entzündungen, Schlafmangel, Stress, gestörter Darmflora (Dysbiose) oder durch eine mangelnde Aufnahme von Vitamin B3. Ein verminderter NAD⁺-Status wird mit folgenden Begleitsymptomen in Verbindung gebracht:
- beschleunigten Alterungsprozessen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Diabetes
- Muskelschwäche
- Pellagra-Erkrankung
Diese sekundären Mängel lassen sich durch Ernährung, Schlaf, Stressmanagement und Lebensstil positiv beeinflussen [13].
Kofaktoren
Der Körper kann NAD+ durch zwei Substanzen bzw. Vorstufen herstellen:
- Aus der Aminosäure Tryptophan
- Aus verschiedenen Formen von Vitamin B3 (Niacin):
- Nicotinamid (NAM)
- Nicotinamid-Ribosid (NR)
- Nicotinamid-Mononukleotid (NMN)
Sowohl Tryptophan als auch Vitamin B3 Formen können über die normale Ernährung oder Supplemente aufgenommen werden [8,13].
Vorkommen
NAD+ und NADH kommen in allen lebenden Zellen von Menschen, Tieren und Pflanzen vor.
- NAD+ ist sowohl im Zellinnern als auch in den Mitochondrien, den „Kraftwerken" der Zelle, in denen Energie hergestellt wird, vorhanden.
- NADH ist vor allem in den Mitochondrien aktiv.
Anwendungsempfehlungen und Dosierung
Die Einnahme von NR und NMN gilt generell als sicher und gut verträglich.
NA kann bei zu hohen Dosen Hautrötungen (Flush), Leberproblemen und gastrointestinalen Problemen führen könnte. NAM kann bei Überdosierung den Stoffwechsel stören und schützende Enzyme hemmen und ebenfalls gastroinstestinale Probleme führen.
Offizielle Höchstgrenzen für NAD+ Vorstufen:
- NR: 2000 mg/Tag
- NMN: 1250 mg/Tag
- NAM: 900 mg/Tag
- NA: 10 mg/Tag
Hinweis: In Studien wurden teilweise höhere Dosen über kurze Zeiträume verwendet. Für die Langzeitsicherheit gibt es noch keine gesicherten Daten, daher ist es ratsam an die empfohlenen Grenzen zu halten.
Bei Bedarf von höheren Dosierungen sollte die Einnahme mit einem Arzt abgeklärt werden [5,8,11].
Risikogruppen und Mangelfaktoren
- Ältere Menschen
- Menschen mit chronischem Stress, Entzündungen oder Infektionen
- Menschen mit unausgewogener Ernährung und Vitamin B3 Mangel
- Menschen mit bestimmten Erkrankungen z.B. Demenz, Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes)
Therapeutische & präventive Einsatzgebiete
NAD+ Vorläufer wie NA, NMN, NAM oder NR wurden in zahlreichen Tier- und Humanstudien zu verschiedenen Erkrankungen untersucht. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse:
| Erkrankung | Datenlage | NAD+ Vorläufer | Dosierung | Erkenntnisse |
|---|---|---|---|---|
| Herzkreislauferkrankungen und Dyslipidämie | Sehr gut | NA, NR, NAM | 1000-3000 mg/Tag über 8–24 Wochen | Verbesserte Blutfettwerte (Triglyceride ↓, Gesamtcholesterin ↓, LDL-Cholesterin ↓, HDL-Cholesterin ↑) [14]. * NA am effektivsten, NR/NAM konnten keinen Effekt erzielen |
| Adipositas | Moderat | NA | 2000-3000 mg/Tag über 12 Wochen |
|
| Diabetes | Moderat | NMN | 250 mg/Tag über 10 Wochen | Muskeln reagierten besser auf Insulin, wodurch der Blutzucker besser kontrolliert werden konnte [12]. |
| Neurodegenerative Krankheiten | Vorläufige Hinweise | Tierstudien zeigen Verbesserungen bei Alzheimer und Parkinson. *Humanstudien fehlen oder sind uneindeutig. | ||
| Alterungsassoziierte Erkrankungen | Sehr gut/Moderat | NR, NMN | NR: 500-1000 mg/Tag über 21 Tage–6 Wochen NMN: 250-300 mg/Tag über 4–12 Wochen |
|
| Chronische Fatigue Syndrom / Myalgic encephalomyelitis | Moderat | NADH | NADH: 5-20 mg + CoQ10 50-200 mg über 8 Wochen |
*keine signifikanten Effekte in jungen/gesunden Populationen |
Irreführende und falsche Aussagen
„NAD+ Supplemente erhöhen den Blutzuckerspiegel und sind daher für Diabetes nicht geeignet".
Die Einnahme von NA oder NE kann zwar zu einem leichten, aber signifikanten Anstieg von Blutzucker und HbA1c führen, wirkt sich jedoch nicht signifikant auf die Insulinresistenz aus [7,11]. NMN und NR zeigen keinen Einfluss auf den Blutzucker. NMN könnte bei prädiabetischen Personen die Insulinsensitivität sogar verbessern, während NR die Körperzusammensetzung bei adipösen Menschen positiv beeinflussen kann [5,12].
Diabetiker sollten die Einnahme von NAD+ Supplementen dennoch mit ihrem Arzt abklären und ungewöhnlichen Blutzuckerschwankungen aufmerksam kontrollieren.
Umsetzungstipps
Bei jungen, gesunden Menschen halten ein aktiver Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung die NAD+ Werte stabil. Folgende Maßnahmen fördern die körpereigene NAD+-Synthese und Zellgesundheit effektiv.
- 150–300 Minuten Ausdauersport pro Woche
- Mind. 2x Ganzkörper-Krafttraining/Woche
- Circadianen Rhythmus stärken: regelmäßige Schlaf- und Wachzeiten einhalten.
- Eine ausgewogene Ernährung mit Lebensmitteln, die reich an Vitamin B3 und Tryptophan sind.
z.B. Hülsenfrüchte, Nüsse, Eier, Fisch, Geflügel und Vollkornprodukte.
Für ältere Menschen oder Personen mit erhöhtem Bedarf können NAD+ Vorläufer-Supplemente eine hilfreiche Unterstützung sein, um die NAD+ Konzentration im Blut und in den Gewebezellen zu erhalten oder zu erhöhen.
Eine Einnahme von Supplementen sollte immer vorher mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
Quellenangaben
Studien und Primärquellen
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