Kurzbeschreibung

Schwarzkümmel, der aus den schwarzen Samen der Pflanze Nigella sativa gewonnen wird, wird seit Jahrhunderten in unterschiedlichen Kulturen als traditionelles Heilmittel geschätzt. In den letzten Jahren rückten die schwarzen Samen zunehmend in den Fokus der Wissenschaft, da immer mehr Studien seine potenziellen gesundheitlichen Vorteile bestätigen.  

Schwarzkümmel wird in Form von Paste, Pulver, Samen, Kapseln oder Öl auf dem Markt verkauft [8].


Offizieller Name

Schwarzkümmel

Andere Namen

Nigella sativa
Echter Schwarzkümmel
Römischer Koriander
Gold der Pharaonen

Eigenschaften

fettlöslich

Vorkommen

stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum, Nordafrika und Südwestasien

Grundfunktionen

Antientzündlich
Antioxidativ
Antihypertensiv
Antidiabetogen
Kardioprotektiv
Antiallergisch

Risiken durch Überdosierung

Juckreiz, Übelkeit, Hemmung der Leberenzyme, Selten: allergische Hautreaktionen, Kontaktallergie;

Zusätzliche Informationen

Die Samen werden bereits seit mehreren Jahrtausenden, insbesondere in der persischen und arabischen sowie in der antiken griechisch-römischen Heilkunde, als Heilmittel gegen Blähungen, Atembeschwerden und Wurmbefall verwendet.

Vorkommen

Nigella sativa L. ist vor allem im östlichen Mittelmeerraum, in Nordafrika, Indien und Südwestasien heimisch und wird in vielen Ländern kultiviert, darunter Ägypten, Iran, Griechenland, Syrien, Albanien, Türkei, Saudi-Arabien, Indien und Pakistan [8]. 


Inhaltsstoffe

Die Samen enthalten eine große Vielfalt an sekundären Pflanzenstoffen, die gemeinsam für ihre positiven gesundheitlichen Effekte verantwortlich sind. Der wichtigste dieser Stoffe ist Thymochinon, ein natürlicher Wirkstoff, dem ein Großteil der heilenden Eigenschaften zugeschrieben wird. Zusätzlich finden sich in den Samen weitere verwandte bioaktive Substanzen wie Thymohydrochinon, Dithymochinon, Nigellidin, Bigellicin und α-Hederin, die diese Wirkung ergänzen.  

Drüber hinaus sind die Samen reich an ätherischen Ölen wie p-Cymen, Carvacrol, Terpineol, Anethol, α-Pinene, Thymol und Longifolen. 

Die Samen bestehen außerdem aus Proteinen (26,7 %), Kohlenhydraten (24,9 %), Ballaststoffen (8,4 %) und Fetten (28,5 %). Sie sind besonders reich an ungesättigten Fettsäuren wie Linolsäure, Ölsäure, Eicosadiensäure und Dihomolinolsäure. Zusätzlich liefern sie wichtige Vitamine wie Vitamin E und B-Vitamine sowie Mineralstoffe wie Kupfer, Phosphor, Zink und Eisen [21].


Physiologische Wirkungen im Überblick

  • Antientzündlich  
  • Antioxidativ 
  • Antihypertensiv 
  • Antidiabetogen 
  • Kardioprotektiv 
  • Antiallergisch 

Anwendungsempfehlungen und Dosierung

Grundsätzlich gilt die Einnahme von Schwarzkümmel in den folgenden Dosierungen als unbedenklich [14]:

  • Samen: < 3 g/Tag
  • Öl: <5 ml/Tag (ca. 1 Teelöffel)

Gegenanzeigen

Die Einnahme von Nigella sativa kann die Aktivität von Leberenzymen (CYP2D6, CYP3A4) hemmen und so die Wirkung bestimmter Medikamente verändern. In Studien wurde bei oraler Einnahme oder äußerlicher Anwendung vereinzelt von Magenbeschwerden, Übelkeit, niedrigem Blutzucker oder allergischen Hautreaktionen wie Kontaktdermatitis, Rötungen oder Juckreiz berichtet [14].


Risikogruppen

Die Einnahme von Schwarzkümmel ist bei bestimmten Gruppen nicht empfohlen oder sollte nur nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen: 

  • Schwangere (Uteruskontraktion) 
  • Stillende 
  • Kinder 
  • Personen mit bekannter Allergie gegen Schwarzkümmel oder andere Ranunculaceae-Gewächse 
  • Menschen mit Lebererkrankungen 
  • Medikamenteneinnahme: Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, die über CYP2D6 oder CYP3A4 abgebaut werden, ist Vorsicht angebracht [14].  

Therapeutische & präventive Einsatzgebiete

Erkrankung DatenlageDosierungErkenntnisse
Metabolisches Syndrom (Hypertonie, Dyslipidämie, Insulinresistenz, Adipositas)Gut
  • Samenpulver: 500mg-1g/Tag über 8 Wochen
  • Öl: 5 ml/Tag über 6 Wochen 
  • Reguliert Blutdruck (Systolischer Blutdruck, Diastolischer Blutdruck ↓) 
  • Senkung des Blutzuckers und Verbesserung der Insulinempfindlichkeit (Nüchternblutzucker ↓, HbA1c und HOMA-IR ↓) 
  • Verbessert die Blutfettwerte (Gesamtcholesterin, LDL, Triglyceride ↓, HDL ↑)* 
  • Keinen Effekt auf Gewicht oder Taillienumfang [9,11,15,16,17] 

*Hier zeigten Studien unterschiedliche Ergebnisse 

Diabetes Mellitus Typ 2 Gut
  • Samenpulver: 2 g/Tag über 1 Jahr
  • Öl: 5 ml/Tag über 3 Monate
  • Samen Extrakt: 5 g/Tag über 6 Monate 
  • Senkt den Blutzucker (HbA1c, Nüchternblutzucker ↓) 
  • Unterstützt das Gewichtsmanagement (BMI ↓) * 
  • Verbessert die Blutfettwerte (Gesamtcholesterin, LDL, Triglyceride ↓, HDL ↑) 
  • Schützt das Herz (Herzleistung ↑, Herzmuskelmasse ↓) [1,3,10] 

* Hier zeigten Studien unterschiedliche Ergebnisse 

Rheumatoide Arthritis Gut
  • Öl: 1g-2g/Tag über 2-8 Wochen 
  • Verbessert Symptome (geschwollene Knöchel, Morgensteifigkeit, VAS für Schmerzen, WBC ↓) 
  • Reguliert das Immunsystem und verbessert die Krankheitsaktivität (DAS28 und CD8+ ↓, CD4+/CD8+-Ratio ↑, CD4+CD25+ regulatorische T-Zellen ↑) 
  • Weniger Entzündungen (hs-CRP ↓, IL-10 ↑, MDA ↓, NO ↓) 
  • Keinen Effekt auf die Entzündungsmarker TNF-α, SOD, Katalase und TAS [2,6,7,12] 
Hashimoto-Thyreoiditis Moderat
  • Samenpulver: 2g/Tag über 8 Wochen

 

  • Verbesserung der Schilddrüsenfunktion (TSH, Anti-TPO ↓, T3 ↑) 
  • Hinweis auf geringere Entzündung und Gewebsstress (Serum VEGF ↓) [5] 
Allergische Erkrankungen (Asthma bronchiale, Rhinitis) Moderat
  • Samen: 1-3g/Tag über 12 Wochen- 3 Monate 
  • 0,1% Extrakt: 15ml/kg über 3 Monate 
  • Öl: 0,5-1ml/Tag über 2-4 Wochen 
  • Weniger Asthmaanfälle und Beschwerden (Lungenfunktionswerte↑, spastische Atemgeräusche↓, Bedarf an an Inhalatoren, oralen Beta-Agonisten und Corticosteroiden ,) 
  • Weniger Entzündung in den Atemwegen und allergische Aktivität (NO ↓, IgE ↓, Interferon-γ ↑) und die Blut-Eosinophilen↓) [4,13,20]
  • Weniger Allergiebeschwerden (Nasentrockenheit, verstopfter Nase, Nasenjucken ↓, Nasenrinnen ↓, Niesanfälle ↓, Trubinate-Hypertrophie ↓, Schleimhautblässe ↓) 
  • Kein Effekt bei brennenden Schmerzen in der Nase [18,19] 

Irreführende und falsche Aussagen

Tier- und Laborstudien zeigen, dass Schwarzkümmel zahlreiche weitere positive Effekte auf die Gesundheit und verschiedenste Erkrankungen haben kann - etwa auf Blutdruck, Blutfette, Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System, Verdauung, Diabetes, Atmung, Fortpflanzung, Nerven, Nieren, Leber, Asthma, Krampfanfälle oder Krebs. Für den Menschen liegen jedoch noch nicht ausreichend und aussagekräftige Studien vor, um dies zu bestätigen.  


Umsetzungstipps

Schwarzkümmel kann in Form von Samen, Öl oder Kapseln eingenommen werden. Beachten Sie dabei die Dosierungsempfehlungen.  

Während der Schwangerschaft sollte Schwarzkümmelöl vermieden werden, da es Uteruskontraktionen auslösen kann. 

 Bei therapeutischer Einnahme besprechen Sie die Anwendung bitte mit Ihrem Arzt. 

 Klicken Sie hier und erfahren Sie mehr zum Thema Schwarzkümmelöl bei Multipler Sklerose: https://lsms.dsgip.de/ernahrung/sekundare-pflanzenwirkstoffe/schwarzkuemmel/ 


Quellenangaben

Studien und Primärquellen

  1. Ahmed, M. M., El-Shamy, K. A., El-Nabarawy, S. K., Elbaiomy, A., & El-Qattan, G. M. (2012). Nigella sativa Tea Improved Serum Paraoxonase-1 Activity, Glycemic Control and Lipid Profile in Type 2 Diabetes Mellitus. 
  2. Al-Okbi, S., Ammar, N., Soroor, A., & Mohammed, D. A. (2000). IMPACT OF NATURAL OILS SUPPLEMENTS ON DISEASE ACTIVITY AND ANTIOXIDANT STATE OF EGYPTIAN PATIENTS WITH RHEUMATOID ARTHRITIS. https://www.semanticscholar.org/paper/IMPACT-OF-NATURAL-OILS-SUPPLEMENTS-ON-DISEASE-AND-Al-Okbi-Ammar/3f3fbf70d3287d7711e0df3a2703e00da6441327 
  3. Bamosa, A., Kaatabi, H., Badar, A., Al-Khadra, A., Al Elq, A., Abou-Hozaifa, B., Lebda, F., & Al-Almaie, S. (2015). Nigella sativa: A potential natural protective agent against cardiac dysfunction in patients with type 2 diabetes mellitus. Journal of Family & Community Medicine, 22(2), 88–95. https://doi.org/10.4103/2230-8229.155380 
  4. Boskabady, M. H., & Farhadi, J. (2008). The possible prophylactic effect of Nigella sativa seed aqueous extract on respiratory symptoms and pulmonary function tests on chemical war victims: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Journal of Alternative and Complementary Medicine (New York, N.Y.), 14(9), 1137–1144. https://doi.org/10.1089/acm.2008.0049 
  5. Farhangi, M. A., Dehghan, P., Tajmiri, S., & Abbasi, M. M. (2016). The effects of Nigella sativa on thyroid function, serum Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) – 1, Nesfatin-1 and anthropometric features in patients with Hashimoto’s thyroiditis: A randomized controlled trial. BMC Complementary and Alternative Medicine, 16(1), 471. https://doi.org/10.1186/s12906-016-1432-2 
  6. Gheita, T. A., & Kenawy, S. A. (2012). Effectiveness of Nigella sativa Oil in the Management of Rheumatoid Arthritis Patients: A Placebo Controlled Study. Phytotherapy Research, 26(8), 1246–1248. https://doi.org/10.1002/ptr.3679 
  7. Hadi, V., Kheirouri, S., Alizadeh, M., Khabbazi, A., & Hosseini, H. (2016). Effects of Nigella sativa oil extract on inflammatory cytokine response and oxidative stress status in patients with rheumatoid arthritis: A randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Avicenna Journal of Phytomedicine, 6(1), 34–43. 
  8. Hannan, M. A., Rahman, M. A., Sohag, A. A. M., Uddin, M. J., Dash, R., Sikder, M. H., Rahman, M. S., Timalsina, B., Munni, Y. A., Sarker, P. P., Alam, M., Mohibbullah, M., Haque, M. N., Jahan, I., Hossain, M. T., Afrin, T., Rahman, M. M., Tahjib-Ul-Arif, M., Mitra, S., … Kim, B. (2021). Black Cumin (Nigella sativa L.): A Comprehensive Review on Phytochemistry, Health Benefits, Molecular Pharmacology, and Safety. Nutrients, 13(6), 1784. https://doi.org/10.3390/nu13061784 
  9. Haque, S. F., & Najmi, A. (2011). Indigenous herbal product Nigella sativa proved effective as an anti-obesity therapy in metabolic syndrome. International Journal of Medicobiological Res., 1, 173–176. 
  10. Hosseini, M. S., Mirkarimi, S. A., Amini, M., Mohtashami, R., Kianbakht, S., & Fallah Huseini, H. (2013). Effects of Nigella sativa L. Seed Oil in Type II Diabetic Patients: A Randomized, Double-Blind, Placebo - Controlled Clinical Trial. Journal of Medicinal Plants, 12(47), 93–99. http://jmp.ir/article-1-82-en.html 
  11. Ibrahim, R. M., Hamdan, N. S., Ismail, M., Saini, S. M., Abd Rashid, S. N., Abd Latiff, L., & Mahmud, R. (2014). Protective Effects of Nigella sativa on Metabolic Syndrome in Menopausal Women. Advanced Pharmaceutical Bulletin, 4(1), 29–33. https://doi.org/10.5681/apb.2014.005 
  12. Kheirouri, S., Hadi, V., & Alizadeh, M. (2016). Immunomodulatory Effect of Nigella sativa Oil on T Lymphocytes in Patients with Rheumatoid Arthritis. Immunological Investigations, 45(4), 271–283. https://doi.org/10.3109/08820139.2016.1153649 
  13. Koshak, A., Wei, L., Koshak, E., Wali, S., Alamoudi, O., Demerdash, A., Qutub, M., Pushparaj, P. N., & Heinrich, M. (2017). Nigella sativa Supplementation Improves Asthma Control and Biomarkers: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial. Phytotherapy Research: PTR, 31(3), 403–409. https://doi.org/10.1002/ptr.5761 
  14. Mashayekhi-Sardoo, H., Rezaee, R., & Karimi, G. (2020). Nigella sativa (black seed) safety: An overview. Asian Biomedicine: Research, Reviews and News, 14(4), 127–137. https://doi.org/10.1515/abm-2020-0020 
  15. Najmi, A., Haque, S. F., Khan, R. A., & Nasiruddin, M. (2007). Therapeutic Effect Of Nigella Sativa Oil On Different Clinical And Biochemical Parameters In Metabolic Syndrome. The Internet Journal of Pharmacology, 5(2). https://ispub.com/IJPHARM/5/2/8486 
  16. Najmi, A., Nasiruddin, M., Khan, R. A., & Haque, S. F. (2008). Effect of Nigella sativa oil on various clinical and biochemical parameters of insulin resistance syndrome. International Journal of Diabetes in Developing Countries, 28(1), 11–14. https://doi.org/10.4103/0973-3930.41980 
  17. Najmi, A., Nasiruddin, M., Khan, R. A., & Haque, S. F. (2013). INDIGENOUS HERBAL PRODUCT NIGELLA SATIVA PROVED EFFECTIVE AS AN ANTIHYPERTENSIVE IN METABOLIC SYNDROME. 6(1). 
  18. Nikakhlagh, S., Rahim, F., Aryani, F. H. N., Syahpoush, A., Brougerdnya, M. G., & Saki, N. (2011). Herbal treatment of allergic rhinitis: The use of Nigella sativa. American Journal of Otolaryngology, 32(5), 402–407. https://doi.org/10.1016/j.amjoto.2010.07.019 
  19. Oysu, C., Tosun, A., Yilmaz, H. B., Sahin-Yilmaz, A., Korkmaz, D., & Karaaslan, A. (2014). Topical Nigella Sativa for nasal symptoms in elderly. Auris, Nasus, Larynx, 41(3), 269–272. https://doi.org/10.1016/j.anl.2013.12.002 
  20. Salem, A. M., Bamosa, A. O., Qutub, H. O., Gupta, R. K., Badar, A., Elnour, A., & Afzal, M. N. (2017). Effect of Nigella sativa supplementation on lung function and inflammatory mediators in partly controlled asthma: A randomized controlled trial. Annals of Saudi Medicine, 37(1), 64–71. https://doi.org/10.5144/0256-4947.2017.64 
  21. Zielińska, M., Dereń, K., Polak-Szczybyło, E., & Stępień, A. E. (2021). The Role of Bioactive Compounds of Nigella sativa in Rheumatoid Arthritis Therapy—Current Reports. Nutrients, 13(10), 3369. https://doi.org/10.3390/nu13103369 

Allgemeine Quellen: (nicht mit Nr. im Text versehen; Bsp.: Bücher, andere Portale) 

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