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Sind Bedenken hinsichtlich einer hohen Aufnahme von gesättigten Fetten bei Low Carb Ernährungsformen berechtigt?

4.9 Minuten LesezeitVeröffentlicht am: 9. Dezember 2021Von Kategorien: Unkategorisiert

Die Einschränkung von Kohlenhydraten (KH) als Anpassung an unseren modernen Lebensstil trägt zur Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten bei. Bei bereits bestehenden Stoffwechselerkrankungen, die meist über einen gestörten Glukosestoffwechsel und daraus resultierender Insulinresistenz, entstehen und sich z.B. in Form eines Diabetes Mellitus Typ 2 und/oder metabolischem Syndrom verfestigen, bieten Low Carb Ernährungsformen einen vielversprechenden Therapieansatz. Die Verschiebung der Makronährstoffverhältnisse hin zu einem höheren Fettanteil bei diesen Ernährungsformen, lassen insgesamt den Gehalt an gesättigten Fettsäuren in der Ernährung steigen. Die Aufnahme von gesättigten Fetten wird mit einer Erhöhung des LDL-Cholesterins, des Risikos für Herz-Kreislauferkrankungen und vermehrter Gesamtsterblichkeit verbunden. Jedoch zeigte eine jüngst im September 2021 im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie (RCT), vielversprechende Ergebnisse, hinsichtlich der Unbedenklichkeit einer erhöhten Aufnahme gesättigter Fettsäuren im Zusammenhang mit Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.  

Eine Reduzierung der Aufnahme von gesättigten Fettsäuren, steht seit fast 50 Jahren in den Empfehlungen von Ernährungsrichtlinien. Basierend auf klinischen Studien, welche zeigten, dass gesättigtes Fett das LDL-Cholesterin im Blutplasma erhöht [2], einer der definierten Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen. Weitere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass ein Austausch von gesättigten durch ungesättigte Fettsäuren, ein Sinken des LDL-Cholesterinspiegels bewirkt und somit das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und vorzeitiger Sterblichkeit verringert [3]. Allerdings blieb bei diesen Untersuchungen der Kohlenhydratanteil der Ernährung unberücksichtigt bzw. orientierte sich an den relativ hohen Kohlenhydrataufnahmeempfehlungen der offiziellen Ernährungsgesellschaften.  

Wird die Aufnahme gesättigter Fettsäuren durch Kohlenhydrate, insbesondere durch raffinierte KH und Zucker [4], ersetzt bzw. verringert, zeigten Studien negative Folgen auf Risikofaktoren von Stoffwechselstörungen wie z.B. hohe Triglyceride, niedrige HDL-Cholesterinspiegel und ein Auftreten weiterer Risiken im Zusammenhang mit einer Insulinresistenz [5,6].  

Diese Erkenntnisse legen nahe, dass nicht nur die Höhe der einzelnen Makronährstoffkomponenten (KH, Fette und Eiweiße) und ihrer jeweiligen Unterformen (z.B. raffinierte KH, gesättigte und ungesättigte Fettsäuren), sondern auch ihr Verhältnis zueinander sowie die Qualität bzw. Naturbelassenheit der Makronährstoffquelle eine wichtige Rolle in der Ernährung spielen. 

Eine in diesem Jahr veröffentlichte Studie von Ebbeling et.al., nutzte die Infrastruktur der RCT Framingham State Food Study (2014-2017), bei welcher 164 übergewichtige und teils fettleibige Teilnehmende nach einer vorgeschalteten Diät, mit 10-14 % Gewichtsverlust, nach dem Zufallsprinzip in drei verschiedene gewichtserhaltende Diäten für 20 Wochen zugeteilt wurden. Die Diäten variierten jeweils im Anteil an Kohlenhydraten und gesättigten Fetten (SFA) bei einem gleichbleibenden Proteinanteil von 20 %: 

  1. Low Carb:                 20 % KH, 60 % Fett (21 % SFA, 25 % MUFA, 11 % PUFA) 
  1. Moderate Carb:      40 % KH, 40 % Fett (14 % SFA, 16 % MUFA, 9 % PUFA) 
  1. High Carb:                60 % KH, 20 % Fett (7 % SFA, 8 % MUFA, 5 % PUFA) 

(SFA = saty fatty acid = gesättigte Fettsäuren, MUFA = monounsaturated fatty acids = einfach ungesättigte Fettsäuren, PUFA = polyunsaturated fatty acids = mehrfach ungesättigte Fettsäuren) 

Ebbeling et.al. untersuchten zusätzlich klinisch relevante Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen wie u.a. Veränderungen von Triglycerid-, HDL-, LDL- und Gesamtcholesterinspiegel der o.g. Diäten. Grundannahme dieser Zusatzstudie war, eine Verbesserung des Lipoprotein-Insulin-Resistenz-Score (LPIR) durch eine kohlenhydratarme und damit automatisch SFA reicheren Ernährung. LPIR ist ein Stoffwechselmarker welcher u.a. mit Diabetes mellitus Typ 2 und koronaren Herzkrankheiten in Verbindung gebracht wird. Der LPIR der Low-Carb Gruppe sank im Durchschnitt um   5,3 Punkte, in der Moderate-Carb Gruppe zeigte sich keine Veränderung (-0,02), wohingegen ein Anstieg um 3,6 Punkte bei der High-Carb Gruppe gemessen werden konnte. Dies macht in Summe einen um  8,9 Punkte besseren LPIR der Low-Carb Diät im Vergleich zur High-Carb Diät aus.  

Weiterhin ergab sich eine um 15,7 % niedrigere Triglyceridkonzentration und eine um 3,1 mg/dl erhöhte HDL-Cholesterinkonzentration im direkten Vergleich von Low-Carb zu High-Carb. Die Höhe des Gesamtcholesterins blieb unverändert, wobei das LDL-Cholesterin um 1,8 mg/dl leicht anstieg. Entzündungswerte, wie das hsCRP (hoch sensitives C-reaktives Protein) und IL-6 sanken um 8,4 % bzw. um 6,5 %. In der Gruppe des moderaten Kohlenhydratverzehrs lagen die Ergebnisse meistens dazwischen.  

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Kohlenhydratreduktion bei gleichzeitig erhöhter Zufuhr von gesättigten Fettsäuren insulinresistente Fettstoffwechselstörungen positiv beeinflusst, ohne negative Folgen auf das Gesamtcholesterin, das LDL-Cholesterin, chronische Entzündungsmarker oder Bluthochdruck. Auch die Menge an Adiponektin (Fettzellhormon) erhöhte sich, welches die Insulinsensitivität verbessert und vor Atherogenese (chronische Gefäßentzündung) schützt.          

Fazit: 

Eine auf Kohlenhydratbeschränkung ausgerichtete Ernährungsstragie führt nicht zwangsläufig über eine dadurch bedingte erhöhte Zufuhr an gesättigten Fettsäuren zu einer Risikoerhöhung für koronare Herzkrankheiten bzw. der damit in Zusammenhang stehenden Fettstoffwechselparameter. Im Gegenteil können die Riskofaktoren einer Herz-Kreislauf-Erkrankung durch eine Low Carb Diät und dem damit verbundenen gewünschten Gewichtsverlust, eher gesenkt werden. Mögliche Risiken im Zusammenhang mit der moderaten Erhöhung des LDL-Cholesterinspiegels der Low Carb Gruppe werden durch die insgesamt positiven Wirkungen einer kohlenhydratarmen Ernährung ausgeglichen.  

Quellen: 

[1] Cara B Ebbeling et.al. (2021) Effects of a low-carbohydrate diet on insulin-resistant dyslipoproteinemia—a randomized controlled feeding trial, The American Journal of Clinical Nutritionhttps://doi.org/10.1093/ajcn/nqab287 

[2] Kris-Etherton PM, Krauss RM. (2020) Public health guidelines should recommend reducing saturated fat consumption as much as possible: YES. Am J Clin Nutr., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32491173/   

[3] Sacks FM et.al. (2017) American Heart Association. Dietary Fats and Cardiovascular Disease: A Presidential Advisory From the American Heart Association. Circulationhttps://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28620111/   

[4] Jakobsen MU et.al. (2010) Intake of carbohydrates compared with intake of saturated fatty acids and risk of myocardial infarction: importance of the glycemic index. Am J Clin Nutr., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20375186/   

[5] Reaven GM (1997) Do high carbohydrate diets prevent the development or attenuate the manifestations (or both) of syndrome X? A viewpoint strongly against. Curr Opin Lipidolhttps://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9127707/  

[6] Siri-Tarino PW, Sun Q, Hu FB, Krauss RM. (2010) Saturated fat, carbohydrate, and cardiovascular disease. Am J Clin Nutr., https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20089734/  

Foto von Felicity Tai von Pexels

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